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Strafgefangener 382 | Kurzbeschreibung

Abstrakt - Kurze Beschreibung des Inhalts

Der Film erzählt die Geschichte des Iraners Hossein Yazdi. Als Sohn von Dr. Morteza Yazdi wuchs Hossein in Teheran auf und übernahm vom Vater die politische Einstellung. Dr. Morteza Yazdi hatte in Deutschland von 1921 bis 1932 Medizin studiert und als Assistenzarzt gearbeitet. Als er nach 11 Jahren wieder in den Iran zurückkehrte, begann sich Morteza Yazdi politisch zu betätigen und wurde einer der Mitbegründer der iranisch kommunistischen Tudeh-Partei (Volkspartei). Aufgrund der politischen Aktivitäten wurde der Vater von iranischen Gerichten mehrmals zu langen Haftstrafen verurteilt.

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Als der Sohn als überzeugter Kommunist 1954 durch die Vermittlung des Vaters in die DDR einreiste, um Landwirtschaft zu studieren, dachte er, dass er aus einem rückständigen und armen Land kam. Dieses Bild sollte sich jedoch schnell ändern. Aufgrund der guten Deutschkenntnisse und der schnellen Integration über die Massenorganisationen (Freie Deutsche Jugend, Gesellschaft für Sport und Technik, Deutsch-Sowjetische Freundschaft) knüpfte der jugendliche Iraner schnell freundschaftliche Kontakte. Doch sein Umfeld jubelte nicht. Weder die Freunde noch die Kommilitonen stürzten sich mit Begeisterung auf die Ausgestaltung des jungen sozialistischen Staates. Kritik an Walter Ulbrichts Zwangsgesellschaft war überall zu vernehmen und die Flüchtlingszahlen sprachen eine weitere sehr deutliche Sprache. Während den Mitteldeutschen aus der Zone der Zutritt zu den westlichen Sektoren von Berlin kontinuierlich erschwert und propagandistisch verleidet wurde, prallten diese ideologischen Manipulationen an Hossein Yazdi ab. Damals schon stolzer Besitzer eines türkis-farbigen Volkswagens, bereiste der junge Revolutionär nicht nur die DDR, sondern auch Berlin (West), die Bundesrepublik sowie Italien, Frankreich und Holland. Noch nach den Absperrmaßnahmen der DDR vom 13. August 1961 entlang der Sektorengrenze half Hossein Yazdi einer vierköpfigen befreundeten Familie die DDR mit gefälschten Pässen zu verlassen.

Ausschlaggebend für die politische Wandlung zu einem kaisertreuen Anhänger und Verfechter der institutionellen Monarchie im Iran waren aber letztlich der feudalistische Lebenswandel der Partei-Funktionäre sowie der Verrat eines Tudeh-Führers an seinem Vater. Obwohl es Dr. Morteza Yazdi gelang, aus der Todeszelle einen Brief mit der exakten Schilderung des Verrates an die Söhne zu schmuggeln, die diesen an den Generalsekretär der Tudeh-Partei in Leipzig, Dr. Reza Radmanesch weitergaben, reagierte die Parteiführung nicht auf die Vorwürfe, sondern beließen den Verräter im Zentralkomitee der Partei.

Zutiefst enttäuscht wandte sich Hossein Yazdi ab und begann mit der Aufklärung der Aktivitäten seiner ehemaligen Genossen für den iranischen Geheimdienst SAVAK. Im Herzen der Parteiführung angesiedelt, konnte der junge Spion die Abhängigkeit der Exil-Iraner von der KPdSU beweisen. Als Redakteur des iranischen Propaganda-Senders Peyke Iran klärte er die Mitarbeiter und das Programm des Senders aufklären. Als Dolmetscher und Sekretär des iranischen Gewerkschaftsführers gelang es ihm, Paß-Angelegenheiten, die Namen und Nummern gefälschter Pässe aus der MfS-Werkstatt und die Auslandsreisen der Funktionäre an seinen Verbindungsmann zu übermitteln.

Nach vier Jahren erfolgreicher anti-kommunistischer Spionage gelang es dem MfS Hossein Yazdi zu verhaften. Bei der Einreise nach Ostberlin wurden die Gebrüder Yazdi zusammen mit zwei iranischen Freunden verhaftet.

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Hossein Yazdi Feridoun Yazdi  Portrait Ralf Guagaris Portrait Hamid Zahidi

Zusammen mit den Gebrüdern Yazdi wurden Ralf Guagaris und Musiker Hamid Zahidi verhaftet.

MfS-Spitzel bzw. sogenannte Kundschafter des Westens erschlichen sich Zutritt zu einer Berliner Wohnung, in der Beweise der Spionagetätigkeit Hossein Yazdis gefunden wurden. Nach einer fast einjährigen Isolations- und Untersuchungshaft in der geheimen Stasi-Untersuchungshaftanstallt Berlin-Hohenschönhausen verurteilte ihn das sogenannte Bezirksgericht Leipzig in einem geheimen Verwaltungsakt nach dem Gesetz zum Schutze des Friedens zu einer lebenslangen Haftstrafe. Weiterhin wird am 14.3.1966 verfügt, das eine „bedingte Strafaussetzung [...] für JASDI, Fereydoun sowie eine eventuell beantragte Umwandlung der lebenslänglichen Freiheitsstrafe JASDI, Hossein in eine zeitliche können deshalb nur dann von der HA IX befürwortet werden, wenn entsprechende operative Gründe vorliegen bzw. der politische Nutzeffekt dies rechtfertigt.” Nach 15½ Jahren totaler Isolationshaft als Nummernhäftling 382 wurde Hossein Yazdi aufgrund massiver Drohungen des iranischen Kaisers über Moskau nach Teheran abgeschoben.

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